In 'ISSUE' beleuchten wir die Sensibilität und Denkweise von Kreativen aus aller Welt – ein Anstoß für neue Inspiration.
In 'ISSUE #4' haben wir Hidenobu Suzuki, der unter anderem mit der Goldmedaille der Société Nationale des Beaux-Arts in Frankreich ausgezeichnet wurde, zehn Fragen gestellt, um seine Sicht auf Fotografie und seinen Umgang mit Kunst zu ergründen.
Q1. Über Sie
Geboren 1971. Ursprünglich aus Hamamatsu, wohnhaft in Toyohashi, hauptberuflich Friseur.
Seine als Hobby betriebene Fotografie wurde durch Features in internationalen Medien wie „National Geographic US“ und „LensCulture“ weltweit bekannt.
2016 wurde er zu einer Ausstellung einer renommierten französischen Kunstgesellschaft eingeladen und erhielt die Goldmedaille der Société Nationale des Beaux-Arts. Die Ausstellung fand im Louvre statt. In Japan wurde ihm ein 13-seitiges Fotoporträt im Magazin Bungeishunju gewidmet.

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Q2. Ihre erste Erinnerung an das Fotografieren
Ich erinnere mich nicht mehr genau an mein allererstes Foto, aber vermutlich war es mit einer einfachen Einwegkamera, die ich als Kind benutzt habe.
Der eigentliche Auslöser, mich intensiver mit Fotografie zu beschäftigen, war der Gewinn der Goldmedaille beim Olympus-Fotowettbewerb 2013.
Damals stand eine Mitarbeiterreise nach Angkor Wat an, und weil ich schon einmal ein Weltkulturerbe besuchte, kaufte ich mir eine OLYMPUS „PEN“ – so begann alles.
Q3. Anspruch an die Ausrüstung
Ob ich besonders hohe Ansprüche an Kameras oder Objektive habe? Eigentlich nicht. Dennoch lagern in meinem Kameraschrank zu Hause etwa 35 Objektive, passend zu meinen Hauptkameras: Canon 5D Mark III, 6D, FUJIFILM X-Pro, OLYMPUS OM-D und PEN, LEICA X2 sowie ZEISS-Objektive.
Zwischen 2014 und 2018 habe ich mehrfach Fotopreise bei „National Geographic US“ gewonnen. Für diese Arbeiten nutzte ich bevorzugt Objektive, Filter und Stative, die sich für Naturaufnahmen und japanische Feste eigneten.
Später wurde ich mehrfach nach Paris eingeladen, um an Gruppenausstellungen und Soloausstellungen teilzunehmen – diese Erfahrungen beeinflussten meinen Stil. Ich wandte mich einer malerischeren, künstlerischeren Bildsprache zu und bevorzugte zunehmend alte Objektive, die nicht gestochen scharf abbilden. Manchmal wickelte ich sogar Frischhaltefolie um das Objektiv oder verwendete transparente Unterlagen, um absichtlich Unschärfe zu erzeugen.
Mit der Erfindung der Kamera im 19. Jahrhundert veränderten sich auch die Künste: Realistische Porträts und Gemälde wurden von Strömungen wie Impressionismus und Abstraktion abgelöst. Auch heute, im Zeitalter der Smartphones, wird Fotografie immer vielfältiger.
Es gibt kein Richtig oder Falsch – jeder sollte das Equipment wählen, das den eigenen Ausdruck am besten unterstützt. Ob High-End oder Low-Budget, alles ist erlaubt – das ist mein Ansatz zur Ausrüstung.

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Q4. Musik, die Sie zuletzt gehört haben
Von morgens bis abends läuft in meinem Salon internationale R&B-Musik, daher höre ich ständig die neuesten R&B-Trends aus dem Ausland.
Empfehlenswert sind die Playlists „R&B Hits“ und „R&B Now“ auf Apple Music!
Q5. Kreative, die Sie inspiriert haben
Andreas Gursky.
Er ist einer der bedeutendsten Vertreter der zeitgenössischen deutschen Fotografie. Seine erste Einzelausstellung in Japan fand 2013 im National Art Center Tokyo statt.
Damals sah ich sein Werk „Rhein II“, das als das teuerste Foto der Geschichte galt. Ich war überwältigt von der Größe seiner Arbeiten, aber anfangs erschienen sie mir sehr gewöhnlich.
Als ich mich dem Ausgang näherte, stellte sich ein seltsames Gefühl ein. Ich betrachtete die Werke erneut, diesmal mit Skepsis – und dann fiel mir etwas auf.
„Keines seiner Werke zeigt eine reale Landschaft.“
Die Prints sind so groß, dass man eigentlich Bearbeitungsfehler sehen müsste, aber die Bildbearbeitung ist so natürlich und realistisch, dass sie einen glauben lässt, Fotografie sei Wahrheit. Ich erinnere mich noch gut an die Aufregung, als ich merkte, dass alle im Raum etwas als Wahrheit betrachteten, das es gar nicht gibt.
Wenn man bedenkt, dass seine Werke in einer Zeit entstanden, in der Computer noch nicht so leistungsfähig waren, ist sein Bearbeitungstalent umso beeindruckender. Seitdem interessiere ich mich für Bildbearbeitung und habe Freude daran gefunden. Die Grundlagen meiner Bearbeitungstechniken stammen von dieser Erfahrung.

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Q6. Kamera, die Sie künftig ausprobieren möchten
Ich möchte sowohl die neuesten als auch alte Kameras ausprobieren.
Für mich sind sie wie Stifte oder Pinsel – Werkzeuge zur Kreation. Jede hat ihre eigenen Eigenschaften und Eigenheiten, und ich möchte möglichst viele ausprobieren.
Q7. Lieblingssituation beim Fotografieren
Ich habe gerne Regenmotive fotografiert.
Es ist mein persönliches Empfinden, aber ich glaube, dass Regenbilder die Betrachter dazu anregen, sich selbst zu reflektieren.
An sonnigen Tagen gehen die meisten Menschen nach draußen, sind aktiv und richten ihre Energie nach außen. Bei Regenwetter hingegen bleibt man eher zu Hause, liest oder schaut fern – die Energie richtet sich nach innen, und man findet Zeit zur Selbstreflexion.
Ich habe meine Regenbilder immer mit dem Wunsch geschaffen, dass sie den Betrachtern helfen, sich selbst zu begegnen.

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Q8. Was Sie nicht mögen
Ich gehe kaum noch hin, aber sogenannte „Aussichtspunkte“, die als spektakulär gelten.
Wenn dort Menschen sich nicht gegenseitig Platz machen und nur an die eigene Befriedigung denken, ohne Rücksicht auf andere, finde ich das ehrlich gesagt unangenehm. Das gilt auch für Eisenbahnfotografen.
Gute und leidenschaftliche Fotograf:innen schaffen es, an unscheinbaren Orten originelle Werke zu kreieren, die viele Menschen inspirieren. Ich finde Fotos, die die Handschrift und den Stil des Autors klar erkennen lassen, viel spannender als beliebige Motive, die man überall sieht.
Auf Social Media gibt es unzählige technisch perfekte Fotos. Die Kameras, Objektive und Bearbeitungstechniken sind auf hohem Niveau, aber oft ähneln sich die Motive und Kompositionen wie Erinnerungsfotos. Ich wünsche mir, dass mehr Rücksicht genommen wird und mehr Originalität in die Bilder einfließt.
Und: Der Output sollte nicht nur auf dem Monitor stattfinden, sondern auch als Print. Aus meiner Erfahrung mit großformatigen Ausstellungen in Paris und New York weiß ich: Bei großgezogenen Prints werden Bearbeitungsfehler sofort sichtbar. Hört auf, euch mit kleinen Bildschirmen zufriedenzugeben, und bearbeitet eure Fotos so, dass sie auch im B0-Format überzeugen. Das ist eine wertvolle Lernerfahrung.
Q9. Wo Sie normalerweise Kleidung kaufen
Da ich im Alltag sehr beschäftigt bin, bestelle ich meistens bei ZOZOTOWN. Vielen Dank dafür!
Q10. Über Ihre bevorzugten Einstellungen
Ich habe keine festen Einstellungen. Sie variieren je nach Situation und Bedingungen beim Fotografieren. Viel wichtiger ist es, sich vor dem Shooting ein klares Bild davon zu machen, wie das Foto aussehen soll.
Das ist wie beim Kochen:
Man muss sich vorher überlegen, was man zubereiten und wie man es würzen möchte – sonst wird es nicht lecker.
Auch beim Friseurberuf ist das so: Erst wenn ich mir die Frisur vorstelle, kann ich sie schön schneiden. Wenn ich erst beim Schneiden überlege, wie es aussehen soll, wird es schnell zu kurz oder chaotisch.
Mit der Kamera kann man zwar alles festhalten, aber es ist wichtig, sich vorher ein Bild zu machen – das hilft, sich fotografisch weiterzuentwickeln.
Ihr Lieblingsbild, aufgenommen mit dem iPhone

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Hidenobu Suzuki
Hidenobu Suzuki, geboren 1971, lebt in Toyohashi, Präfektur Aichi. Schon als Kind war er der Malerei verbunden und erschafft seit 2013 Werke an der Schnittstelle von digitaler Fotografie und Malerei. Sein künstlerisches Schaffen basiert auf dem Grundsatz, dass Emotionen in Erinnerung bleiben.
cizucu: hide
HP: hidenobu.jp
Instagram: @hidenobu_suzuki
Facebook: hide.suzuki

